
Dr. Adriana Lettrari, geschäftsführende Vorständin der EAS MV, im Gespräch mit Stefanie Drese, Ministerin für Soziales, Gesundheit und Sport des Landes Mecklenburg-Vorpommern und ständige Vertreterin der Stiftungsratsvorsitzenden der Ehrenamtsstiftung MV.
In Ihrer Rolle als ständige Vertreterin der Stiftungsratsvorsitzenden sind Sie mit der Ehrenamtsstiftung MV eng verbunden. Was bedeutet es für Sie als Ehrenamts-ministerin, eine Landesstiftung für das Ehrenamt im eigenen Bundesland zu haben?
Dass wir eine eigene Landesstiftung in Mecklenburg-Vorpommern haben, sehe ich als enormen Vorteil aber auch als Ausdruck des hohen Stellenwertes, den das Ehrenamt bei uns im Land genießt. In einem dünner besiedelten Flächenland wie unserem existieren ganz viele Angebote für Groß und Klein nämlich nur, weil Menschen sich ehrenamtlich einbringen. Im Fußballverein zum Beispiel, in der Kulturpflege oder bei der Umsetzung von Mutter-Kind-Angeboten. Und weil Ehrenamtliche wie auch Vereine und Organisationen hierzu naturgemäß häufig Fragen haben ‒ z.B. juristischer Natur, aber auch zur eigenen Weiterentwicklung oder zur Mitglieds- und Ehrenamtlergewinnung ‒ bin ich froh, dass ihnen mit der Ehrenamtsstiftung MV ein kompetenter Ansprechpartner zur Seite steht. Nicht zuletzt ist die Landesstiftung aber auch ein wichtiger Faktor für die Vernetzung der Akteurinnen und Akteure im Land und ein geschätzter Partner für das Sozialministerium und mich als Ehrenamtsministerin.
Welchen Betrag leisten Ehrenamtliche Ihrer Einschätzung nach für den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft?
Ich bin überzeugt, dass Menschen, die sich für andere einsetzen, der Klebstoff sind, der unsere Gesellschaft zusammenhält. Wer sich ehrenamtlich engagiert, streckt seine Hand nach anderen aus. Nutzt seine eigene Zeit, um sich anderen Menschen zuzuwenden und sie zu unterstützen. Macht genau das eine Gesellschaft nicht erst aus? Und ist dieses Sich-Einbringen nicht auch ein Kernpfeiler einer funktionierenden Demokratie? Es freut mich deshalb, dass sich in M-V bereits rund 38% Prozent der Bevölkerung ehrenamtlich einbringen und hoffe natürlich, dass es künftig noch mehr werden.
Sie überreichen oft gemeinsam mit unserer Stiftung die Ehrenamtskarte MV an besonders Engagierte. Was war der emotionalste Moment, den Sie bei einer Übergabezeremonie erlebt haben?
Ich glaube, jede einzelne Übergabe ist emotional auf ihre eigene Weise. Wenn Menschen voller Elan und Enthusiasmus erzählen, was sie gemeinsam bewegen, dann macht das was mit einem – auch mit mir. Freude ist ansteckend, wie man so schön sagt. Darum ist es mir auch immer ein ganz besonderes Anliegen, dass wir durch die Übergabe der Ehrenamtskarten MV diese Freude teilen und landesweit eine Öffentlichkeit schaffen für die vielen Projekte, die sonst vielleicht nur im lokalen Umfeld bekannt sind. Ganz besonders berührt hat mich aber jüngst die Übergabe an gleich 21 Ehrenamtliche vom WEISSEN RING. Sie alle begleiten Opfer von Straftaten in ihren wohl schwersten Stunden. Wo öffentlich oder in der Justiz oft nur über die Täterinnen und Täter gesprochen wird, verlieren die Engagierten die Opfer nicht aus dem Blick, leisten Beistand und praktische Hilfe zum Beispiel bei Polizei- oder Justizterminen. Das ist sicher kein leichtes Thema und vor der Arbeit der Ehrenamtlichen habe ich größte Hochachtung. Aber es macht einen auch stolz zu sehen, dass so viele Menschen diese unglaublich wichtige und emotionale Arbeit hier in MV unterstützen.
Was würden Sie jemandem sagen, der überlegt, sich ehrenamtlich zu engagieren?
Probieren Sie sich aus! Für jede oder jeden gibt es das passende Ehrenamt und eine Tätigkeit, die zu den eigenen Stärken und Interessen passt. Ob im Bereich Kinder und Jugend, Seniorinnen und Senioren, ob im Denkmalschutz, im Sport oder in der Kunstgruppe vor Ort. Helfende Hände sind überall im Land herzlich willkommen und wer Unterstützung bei der Suche nach dem richtigen Ehrenamt braucht, findet sie bei der Ehrenamtsstiftung MV oder in unseren MitMachZentralen. Diese gibt es in allen Landkreisen und kreisfreien Städten im Land. Betonen möchte ich aber auch: Jedes Engagement zählt, ob groß oder klein. Und auch wenn beim Ehrenamt das Geben im Fokus steht, so bekommen Aktive auch immer etwas zurück: Dank, viele neue Kontakte und die Möglichkeit, das eigene Umfeld mitzugestalten.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Ehrenamtsstiftung MV?
Der Ehrenamtsstiftung MV wünsche ich weiterhin ganz viel Erfolg bei der Arbeit – in der Vernetzung der vielen Akteure, bei der Unterstützung unserer Ehrenamtler und bei der Werbung neuer Partner für unsere Ehrenamtskarte. Genauso wünsche ich mir weiterhin eine so gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Sozialministerium, damit wir gemeinsam auch weiterhin das Ehrenamt in MV unterstützen und stärken können.
