
Dr. Adriana Lettrari, geschäftsführende Vorständin der EAS MV, im Gespräch mit Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin des Landes Mecklenburg-Vorpommern und Vorsitzende des Stiftungsrates der Ehrenamtsstiftung MV.
Seit deinem Amtsantritt 2017 als Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern bist du die Stiftungsratsvorsitzende der Ehrenamtsstiftung MV. Was bedeutet es für dich, Teil dieser Stiftung zu sein?
Ich bin sehr stolz darauf, als Ministerpräsidentin dem Stiftungsrat vorzustehen. Die Stiftung leistet hervorragende Arbeit. Die Ehrenamtsstiftung MV feiert dieses Jahr ihr 10-jähriges Jubiläum. Mein Amtsvorgänger Erwin Sellering hat die Stiftung auf den Weg gebracht. Ziel war es, Vereine und Organisationen schnell und unkompliziert bei der Umsetzung von Projekten finanziell zu unterstützen. Das funktioniert sehr gut. Es bedeutet mir sehr viel, die Leistungen der Ehrenamtlichen – beispielsweise mit dem Ehrenamtspreis MV – öffentlich zu würdigen. Über 600.000 Menschen engagieren sich ehrenamtlich in unserem Land. Das ist großartig!
Was macht die Ehrenamtsstiftung MV für dich einzigartig?
Die Ehrenamtsstiftung MV zeichnet sich durch ihre Flexibilität sowie gezielte und unkomplizierte Hilfe in unserem dünn besiedelten Flächenland aus. Besonders freue ich mich, dass wir mit dem neuen EAS MV-Portal die Mittelbeantragung so einfach wie möglich gestaltet haben. Das bedeutet: Weniger Bürokratie für die Vereine. Die Stiftung bietet umfassende Beratung, fördert Vernetzung und entwickelt stetig neue Angebote. Die erfolgreiche Einführung der Ehrenamtskarte MV mit rund 10.000 Ausgaben zeigt das große Engagement für den sozialen Zusammenhalt im Land. Unsere Ehrenamtsstiftung MV war Vorbild beim Aufbau der bundesweiten Ehrenamtsstiftung. Das zeigt, wie gut die Stiftung arbeitet.
Kannst du einen besonderen Moment teilen, der dir in den letzten Jahren mit der Ehrenamtsstiftung MV besonders in Erinnerung geblieben ist?
Mein erster Termin als Ministerpräsidentin war ein Besuch bei einem kleinen Verein in Vorpommern, den Stralsunder Traditionsverein. Der Verein hatte damals eine Kleiderkammer aufgebaut, in der Kostüme für den Festumzug zu den Wallenstein-Tagen gesammelt und gepflegt werden. Es war das 1.000ste ehrenamtlich geförderte Vorhaben nach nur zwei Jahren des Bestehens der Ehrenamtsstiftung MV. Das zeigte mir die enorme Wirkung der Stiftung in kurzer Zeit. Inzwischen sind es rund 5.400 Vorhaben. Ein besonderer Moment war für mich der Besuch von Bundespräsident Steinmeier bei der Verleihung des Ehrenamtspreises MV. Es war eine große Ehre für unser Land und eine wunderbare Anerkennung für die Arbeit der vielen Ehrenamtlichen in MV. Die strahlenden Gesichter der Engagierten zu sehen und ihre Geschichten zu hören – das hat mich tief berührt.

Wie hat das Ehrenamt dein Leben persönlich bereichert?
Mir war es immer wichtig, mich für andere einzusetzen. Schon als Jugendliche habe ich mich in meiner Heimatstadt Seelow im Kinderverein engagiert. Ich habe außerdem als Jugendliche ein deutsch-polnisches Ferienlager mit organisiert. Das war eine prägende Erfahrung für mich und hat mein Interesse am freiwilligen Engagement geweckt. Nach meiner Hochzeit zog ich nach Schwerin. Dort begann ich, mich ehrenamtlich kommunalpolitisch zu engagieren. Von 2004 bis 2008 war ich Stadtvertreterin in Schwerin und gestaltete aktiv die Kommunalpolitik mit. Das war mir sehr wichtig. Die Kommunen sind nicht das Kellergeschoss, sondern das Fundament der Demokratie. 2016 habe ich eine Patenschaft für eine syrische Flüchtlingsfamilie aus der Provinz Idlib übernommen. Meine Familie und ich halfen dieser syrischen Familie, eine Wohnung in Schwerin zu finden, organisierten Kinderbetten und wir trafen uns mit ihnen. Diese Patenschaft war Teil des Programms „Menschen stärken Menschen“.
Was wünscht du dir für die Zukunft der Ehrenamtsstiftung MV?
Ich wünsche mir für die Zukunft, dass die Ehrenamtsstiftung MV auch weiterhin so engagiert bleibt. Und dass ihr nie die Ideen ausgehen, wie den Vereinen und Organisationen in unserem Land geholfen werden kann. Der Ehrenamtsmonitor MV 2025 ist ein wichtiger Schritt, um die Bedürfnisse der Ehrenamtlichen noch besser zu verstehen und zu unterstützen. Ich wünsche mir, dass die Stiftung auch in Zukunft ein starker Partner für alle Engagierten in unserem Land ist. Und ich wünsche mir, dass die Ehrenamtsstiftung MV dazu beitragen kann, die Wertschätzung und öffentliche Anerkennung für ehrenamtliches Engagement zu erhöhen. Denn das haben alle Ehrenamtlichen verdient.