
Dr. Adriana Lettrari, geschäftsführende Vorständin der EAS MV, im Gespräch mit Hannelore Kohl, Vorstandsvorsitzende der Ehrenamtsstiftung MV.
Seit der Gründung der Ehrenamtsstiftung MV bringst du dich als ehrenamtliche Vorstandsvorsitzende für den Erfolg der Stiftung ein. Welche Meilensteine waren für dich in den vergangenen 10 Jahren besonders prägend, und was hat dich in dieser Zeit am meisten überrascht?
Wichtig war, dass wir dank des engagierten Einsatzes aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Beginn an neben dem organisatorischen Aufbau alle Aufgaben, die die Stiftungssatzung uns zuweist, parallel angehen und kontinuierlich auf- und ausbauen konnten. Positiv überrascht hat mich zunächst, wie schnell es durch ernsthafte und erfolgreiche Arbeit gelungen ist, durchaus auch vorhandene kritischen Stimmen gegenüber einer Stiftungslösung verstummen zu lassen. Beeindruckt hat mich mit zunehmender Erfahrung die Erkenntnis, wie vielfältig die Themenbereiche und Ideen sind, für die sich Menschen unter Einsatz von Zeit und (oft auch) Geld im Lande M-V einsetzen.
Als „Meilensteine“ inhaltlicher Art könnte man viele verstetigte Aktivitäten nennen; ich will es beispielhaft bei den Stichworten Förderprogramme unterschiedlichster Art, Ehrenamtstour MV, Ehrenamtstag MV mit Ehrenamtspreis MV, Ehrenamtskonferenz MV und nicht zuletzt – in Kooperation mit dem zuständigen Sozialministerium – Ehrenamtskarte MV belassen. Organisationsintern ist ein solcher Meilenstein sicherlich die Anschaffung und Inbetriebnahme der neuen leistungsfähigen Stiftungssoftware xFound, die nicht nur intern, sondern auch in der Kommunikation mit den Förderantragstellern, allen sonst unsere Angebote nutzenden Ehrenamtlichen und unseren Kooperationspartnern Maßstäbe hinsichtlich der Benutzerfreundlichkeit setzt.

Wie hat sich die Stiftung in den letzten Jahren weiterentwickelt, und welche Herausforderungen mussten dabei deiner Ansicht nach gemeistert werden?
Die Stiftung hat sich organisatorisch gefestigt und in allen Bereichen zunehmend professionalisiert. Wir konnten unseren Aktionsradius und die Wahrnehmbarkeit in der Öffentlichkeit stetig vergrößern. Auch außerhalb des Landes sind wir inzwischen als Beispiel für eine effektive Unterstützung des Ehrenamtes durch die Landesebene gefragt. Vor große Herausforderungen stellten auch uns die Einschränkungen unter Corona, zumal zugleich aus zusätzlichen Mitteln des Zuwendungsgebers aufgelegte Sonderprogramme wie „Digital durch die Pandemie“ oder der Sonderfonds „Hilfe für die Tafeln“ in kürzester Zeit zu bewältigen waren. Diese konnten ebenso zeitnah umgesetzt werden wie etwa nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine ein Sonderprogramm zur Unterstützung von ehrenamtlich geleisteter Flüchtlingshilfe in diesem Bereich.
Wie haben sich die Herausforderungen der Ehrenamtlichen in MV und deren Bedürfnisse an die Engagementförderung in den letzten zehn Jahren verändert?
Geändert haben sich weniger die Herausforderungen – besser: Anforderungen und Bedürfnisse – der Ehrenamtlichen an die Engagementförderung als solche; gestiegen ist mit zunehmender Bekanntheit unserer Arbeit auf jeden Fall aber die Zahl derer, die unsere Angebote nutzen möchten. Dabei erfordert die Ausweitung der Bandbreite unserer Angebote jeweils auch eine stärkere Spezifizierung und Qualifizierung bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (Beispiel: „Förderprogramm Freifunk“).
Was sind die langfristigen Visionen der Stiftung für die kommenden Jahre, und welche neuen Projekte oder Initiativen stehen auf der Agenda?
Fortführen möchten wir empirische Analysen zum Sachstand und zu Bedarfen, wie wir sie z.B. in Zusammenarbeit mit der Hochschule Neubrandenburg im Rahmen des Ehrenamtsmonitors MV schon erfolgreich durchgeführt haben, um künftig noch passgenauere Angebote machen und Anregungen in den politischen Raum hineingeben zu können. Unsere zentrale Rolle bei der Vernetzung aller Engagierten in Haupt- und Ehrenamt möchten wir ausbauen; wir wollen der Ansprechpartner für Fragen aller Art rund um das Ehrenamt in Mecklenburg-Vorpommern sein – und damit die Strahlkraft von Mecklenburg-Vorpommern als Land der Ehrenamtsförderung verstärken. „Junges Ehrenamt“ soll ein Schwerpunkt bleiben. Zusammen mit unseren Zustifter:innen (Konvent) wollen wir vermehrt Fragen des Engagements von Unternehmen (finanzielle Unterstützung; z.B. auch Förderung/Anerkennung ehrenamtlicher Tätigkeit im Mitarbeiterbereich u.ä.) aufgreifen und vertiefen.
Was wünschst du dir für die Zukunft der Ehrenamtsstiftung MV?
Aus heutiger Sicht scheint mir diese im Wesentlichen aus Landesmitteln getragene Stiftung bürgerlichen Rechts ein wichtiger Baustein zur breiten Unterstützung ehrenamtlichen Engagements in Mecklenburg-Vorpommern geworden zu sein; sie leistet einen unverzichtbaren Beitrag zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts im Lande. Ich wünsche mir daher eine weiterhin verlässliche finanzielle Absicherung unserer vielfachen Wirkungsmöglichkeiten – und will im Gegenzug zusammen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern alles dafür tun, die hohen uns entgegengebrachten Erwartungen an ein erfolgreiches Wirken und das in uns gesetzte Vertrauen weiterhin zu rechtfertigen.