
Dr. Adriana Lettrari, geschäftsführende Vorständin der EAS MV, im Gespräch mit Dr. Stefan Rudolph, ehemaliges Mitglied des Stiftungsrats der Ehrenamtsstiftung MV.
Sie waren von 2020 bis 2022 Mitglied des Stiftungsrates der Ehrenamtsstiftung MV. Was war Ihr erster Eindruck von der Stiftung und dem, was sie erreichen wollte?
Aus eigenem Erleben wusste ich, die Bedeutung des Anpackens abertausender im Land aktiver Ehrenamtler steht im krassen Widerspruch zur Würdigung dieser Arbeit durch Politik und manch geltenden Rechts. Und da kam die Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern gerade recht.
Wie haben Sie damals, fünf Jahre nach Gründung der Stiftung, die Reaktionen der Menschen auf die Projekte der Stiftung erlebt?
Die Erwartungen unserer vielen fleißigen ehrenamtlichen Köpfe und Hände an die Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern waren und sind groß. Es entstanden erste Stiftungsangebote. Insbesondere Schulungen, um rechtssicherer zu werden, erreichten viele Interessierte.
Gibt es eine Anekdote aus Ihrer Zeit bei der Stiftung, die Sie zum Schmunzeln bringt?
Es gibt viele tolle Erlebnisse unserer gemeinsamen Stiftungsarbeit. Schmunzeln musste ich aber eher über mich selber. Mein erstes Zusammentreffen mit unserer Vorsitzenden des Vorstandes, Frau Gerichtspräsidentin a. D., Hannelore Kohl, verlief völlig anders als erwartet. Ich ging in meiner 15-jährigen Amtszeit als Staatssekretär nie unvorbereitet in Termine. So auch dieses Mal. Was hatte ich alles vorher gelesen? Daten, Fakten, Analysen des Ehrenamtes in MV. Völlig unvorbereitet war ich auf die tolle Persönlichkeit, die Tiefe im Verständnis der Materie, auf den wunderbaren Menschen hinter dem Amt der Vorstandsvorsitzenden. Als wir uns nach beinahe zwei intensiven Stunden des Gedankenaustausches und Planens von Zukunft voneinander verabschiedeten und ich wieder mein Büro betrat musste ich über mich selber schmunzeln. Es sind eben nicht nur die Fakten, sondern letztlich die Menschen selbst, die uns packen, motivieren, uns gut tun. Eigentlich weiß man das. Aber es zu erleben ist etwas anderes, etwas Nachhaltiges. Und das hatte ich, sonst immer im Stoff stehend, trotz aller Vorbereitung übersehen. Tja, niemand scheint unfehlbar zu sein, zumindest ich bin es also nicht. Danke, liebe Frau Kohl! Über sich selber schmunzeln zu können tut gut. Gern und allen zur Nachahmung empfohlen.
Was bedeutet Ehrenamt für Sie persönlich?
Das Ehrenamt ist für mich das beinahe lobbyfreie Fundament unserer gelebten freiheitlich demokratischen Grundordnung. Ohne Ehrenamt kein funktionierendes Gemeinwesen! Ehrenamt heißt für mich, freiwillig gesellschaftliche Verantwortung für andere zu übernehmen, ohne Lob und Anerkennung erwarten zu können.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Ehrenamtsstiftung MV?
Ich wünsche unserer Ehrenamtsstiftung eine bessere Finanzausstattung, mehr Mitspracherecht in Gesetzgebungsverfahren, bei Beschlüssen des Kabinetts und dem Erlassen von Ministerverordnungen. Möge sich unsere Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern zu dem Sprachrohr aller ehrenamtlich Aktiven im Land entwickeln. Mit Frau Dr. Adriana Lettrari, Vorständin und Geschäftsführerin der Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern bestehen beste Voraussetzungen, unser Ehrenamt in seinem Tun und dessen verdienten Anerkennung noch mehr zu unterstützen. Ehrenamtler wollen und müssen frei sein von Bürokratie, vom Steuerdschungel und überbordenden Unkosten. Die Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern hat das Zeug dazu, die Heimat aller ehrenamtlich Aktiven zu sein. So geht Zukunft!